Mode5 stellt Deutschlandplan für eine Referenzstrecke vor

Wie kann aus der Hyperloop-Forschung ein zulassungsfähiges und wirtschaftlich betreibbares Verkehrssystem werden? Mode5 hat dafür einen Deutschlandplan vorgelegt. Tilia wird sich künftig mit der Energieversorgung des Projekts befassen.

Berlin, 20. Oktober 2026. Mode5 hat seinen Deutschlandplan auf dem EUREF-Campus Berlin vorgestellt. Das rund 50-seitige Dokument beschreibt, welche technischen, politischen und regulatorischen Voraussetzungen für eine Hyperloop-Referenzstrecke in Deutschland geschaffen werden müssen.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich die bisherigen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in ein zulassungsfähiges, finanzierbares und wirtschaftlich betreibbares Gesamtsystem überführen lassen.

Dazu gehören insbesondere:

  • die technische Weiterentwicklung des Systems,
  • die Planung und Realisierung einer Referenzstrecke,
  • die Entwicklung geeigneter Zulassungs- und Sicherheitsanforderungen,
  • die Klärung der regulatorischen Rahmenbedingungen,
  • ein tragfähiges Finanzierungs- und Betriebskonzept,
  • die Einbindung der benötigten Energieversorgung.

Hinter Mode5 stehen 20 Partner und Projektbeteiligte aus Industrie, Wirtschaft und Wissenschaft. Mit dem Deutschlandplan liegt eine gemeinsame Grundlage für die nächsten Projektschritte vor.

Die DRO Deutsche Rail Operations GmbH ist federführend an Mode5 beteiligt. Über die DWI – Deutsche Wasser International GmbH besteht eine mittelbare Verbindung zur Tilia Group. Tilia wird sich zukünftig mit dem Energiepaket des Projekts befassen.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wann, wo und in welcher Höhe das System elektrische Leistung benötigt und wie diese zuverlässig bereitgestellt werden kann.

Denkbar sind Photovoltaikanlagen entlang oder auf dem Röhrensystem sowie ergänzende Speicher, die lokal erzeugten Strom zeitversetzt nutzbar machen und Lastspitzen reduzieren. Ob und in welchem Umfang solche Lösungen eingesetzt werden können, ist Teil der weiteren Untersuchungen.

Die Referenzstrecke als entscheidender Praxistest

Die geplante Referenzstrecke soll zeigen, ob sich die verschiedenen Technologien und Anforderungen zu einem funktionierenden Gesamtsystem verbinden lassen.

Dabei geht es nicht allein um Geschwindigkeit. Erprobt werden müssen insbesondere:

  • das Zusammenspiel der technischen Komponenten,
  • ein sicherer und zuverlässiger Betrieb,
  • Wartungs- und Instandhaltungsprozesse,
  • die Energieversorgung,
  • mögliche Zulassungsverfahren,
  • die technische und wirtschaftliche Skalierbarkeit.

Die Referenzstrecke bildet damit die Verbindung zwischen Forschung und einem möglichen späteren Regelbetrieb.

Was ist ein Hyperloop-System?

Ein Hyperloop-System ist ein Konzept für den schnellen Transport von Personen und Gütern. Fahrzeuge beziehungsweise Kapseln bewegen sich magnetisch geführt durch Röhren, in denen ein verringerter Luftdruck herrscht.

Das System verbindet drei wesentliche Technologien:

  • Magnetisches Schweben: Die Kapseln werden berührungsarm getragen und geführt.
  • Niederdruckumgebung: Der reduzierte Luftwiderstand ermöglicht hohe Geschwindigkeiten.
  • Linearer Elektroantrieb: Der elektrische Antrieb setzt die Kapseln in Bewegung.

Die einzelnen Technologien sind nicht grundsätzlich neu. Entscheidend ist ihr Zusammenspiel in einem sicheren, zulassungsfähigen und wirtschaftlich betreibbaren Gesamtsystem.

Hyperloop-System in künstlerischer Darstellung

Wissenswertes zu Hyperloop-Systemen

Warum braucht es einen zusätzlichen Verkehrsträger?

Die Mobilitätsnachfrage wächst schneller als die vorhandene Infrastruktur. Stark ausgelastete Schienenwege, überlastete Straßen und begrenzte Kapazitäten im Luftverkehr treffen auf lange Planungs- und Genehmigungszeiträume für neue Verkehrswege.

Mode5 verfolgt deshalb die Entwicklung eines zusätzlichen Verkehrsträgers. Das System soll hohe Geschwindigkeiten und Transportkapazitäten mit einem elektrischen Antrieb und einer möglichst effizienten Nutzung bestehender Verkehrskorridore verbinden.

Ziel ist es, einen technischen und regulatorischen Standard für einen fünften Verkehrsträger zu entwickeln, zunächst in Deutschland und perspektivisch auch international.

Wie soll das Mode5-System funktionieren?

Direkte Verbindungen ohne Zwischenhalt

Die Kapseln sollen ihre jeweiligen Ziele unabhängig voneinander ansteuern. Anders als bei einem klassischen Zug müssen nicht alle Fahrzeuge an denselben Stationen halten. Dadurch sollen direkte Verbindungen ohne Zwischenhalte möglich werden.

Automatische Bildung von Verbünden

Mehrere Kapseln können während des Betriebs zu Verbünden zusammengestellt und anschließend wieder getrennt werden. Das System soll dadurch flexibel auf unterschiedliche Ziele und eine wechselnde Nachfrage reagieren können.

Stationen neben der Hauptstrecke

Die Stationen sollen über Nebenstrecken an die durchgehende Hauptröhre angebunden werden. Haltende Kapseln verlassen den Hauptfahrweg, während der übrige Verkehr weiterläuft. Zusätzliche Stationen sollen dadurch die Kapazität der Hauptstrecke möglichst wenig beeinträchtigen.

Wie schnell soll das System sein?

Mode5 strebt mittlere Reisegeschwindigkeiten von rund 400 km/h an. Welche Geschwindigkeiten unter realen Bedingungen erreicht werden können, muss im Rahmen der weiteren Entwicklung und auf einer Referenzstrecke untersucht werden.

Ist der Hyperloop-System bereits marktreif?

Nein. Weltweit werden verschiedene technische Konzepte erforscht und auf Teststrecken erprobt. Ein regulärer kommerzieller Betrieb ist bislang nicht etabliert. Der Deutschlandplan soll dazu beitragen, den Weg von der Forschung zu einem zulassungsfähigen System zu strukturieren.

Welche Vorteile könnte ein Hyperloop-System bieten?

Das Konzept verbindet hohe Reise- und Transportgeschwindigkeiten mit einem widerstandarmen Antrieb. Direkte Verbindungen ohne Zwischenhalte, automatisierte Kapselverbünde und Stationen außerhalb der Hauptstrecke könnten einen flexiblen und leistungsfähigen Betrieb ermöglichen

Welche Fragen sind noch offen?

Zu klären sind unter anderem die technische Zuverlässigkeit im Dauerbetrieb, Sicherheits- und Evakuierungskonzepte, Zulassungsverfahren, Investitions- und Betriebskosten sowie die Einbindung in bestehende Verkehrs- und Energiesysteme.

Soll Mode5 bestehende Verkehrsmittel ersetzen?

Mode5 ist als zusätzlicher Verkehrsträger gedacht. Das System soll bestehende Verkehrsangebote ergänzen und insbesondere dort neue Kapazitäten schaffen, wo vorhandene Infrastrukturen an ihre Grenzen stoßen

Weiterführende Informationen finden Sie auf der Website des Mode5-Konsortiums:

Wir freuen uns, dass nun ein Fahrplan für die nächsten Schritte auf dem Weg zu einer Teststrecke steht, die uns wertvolle Erkenntnisse verspricht.
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