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Im Hafendorf am Hainer See wird grüne Wärme aus dem Wasser gewonnen

Vor den Toren Leipzigs liegt das Leipziger Neuseenland: eine ehemalige Braunkohleregion, die nach der Schließung zahlreicher Tagebaue Anfang der 1990er Jahre zu einem weitläufigen Naherholungsgebiet rekultiviert wurde. Am Nordufer des Hainer Sees – mit 600 Hektar einer der größten der Region – entsteht nun ein Feriendorf, welches den Strukturwandel der Region verkörpert wie kein anderes. Denn die zu Seen gewordenen Tagebaulöcher nutzt es nicht nur für florierenden Tourismus und Wassersport, sondern auch zur Wärmeversorgung.

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Wärmetauscher, welche unter dem Steg installiert sind, nutzen das Temperaturgefälle zwischen Seewasser und Wärmeleitmittel, um während der Heizperiode Wärme zu produzieren oder im Sommer die Immobilien abzukühlen
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Ein innovativer Oloid-Propeller sorgt in dem stehenden Gewässer für einen stetigen Strom, so dass das Seewasser um die Wärmetauscher herum in Bewegung bleibt und stets die benötigte Temperaturdifferenz aufweist
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Im dazugehörigen Heizhaus sorgt eine Wärmepumpe für die Prozessierung der Temperatur
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Das Heizhaus wird mit Strom aus einer Bodenleitung versorgt
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Eine Photovoltaikanlage sorgt für zusätzliche Energie
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Leitungen befördern das erhitzte Wasser im Winter in die Heizungen der Häuser und führen abgekühltes Wasser wieder in den Kreislauf. Im Sommer wirkt dieser Effekt umgekehrt, so dass die Häuser gekühlt werden können.

Mit einer benötigten Leistung von nur 220 Watt sind Oloid-Propeller eine energiesparende Lösung, die zugleich durch erhöhten Sauerstoffeintrag der Flora und Fauna des Sees zugutekommt. Die Erforschung und Umsetzung der innovativen Technik wird als eines von fünf richtungsweisenden Strukturwandelprojekten vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert.

Diese innovative Lösung wurde vom Leipziger Unternehmen OLOID Solution GmbH entwickelt, welche ihre Produkte weltweit anbietet. Auf ihrer Website finden Sie weiterführende Informationen.

Aquathermie betreibt das dorfeigene Nahwärmenetz

Als eines der ersten seiner Art nutzt das „Hafendorf Hain“ Hydrothermie zur Wärmeversorgung. Unter Aquathermie versteht man die Nutzung des Grundwassers oder oberflächennaher Gewässer zum Heizen oder zum Kühlen von Gebäuden – in diesem Fall die Umgebungswärme aus dem Hainer See. Diese wird in eine zentrale Wärmepumpenanlage gespeist und versorgt von dort das gesamte Quartier mit grüner Wärme. Geplant und realisiert wird diese innovative Wärmeversorgung von den Stadtwerken Leipzig und der Quartiersenergie GmbH, einer gemeinsamen Tochter der L-Group und der Tilia GmbH. Am 6. März 2024 startet der Probebetrieb.

Das moderne Ferienquartier besteht aus 17 Gebäuden mit 34 Apartments, dazu einem Verwaltungsgebäude, zwei Bootsgaragen und einem Wassersportzentrum. Dazu gesellen sich Cafés und anderes Kleingewerbe. Insgesamt sind das 4.400 m2 beheizte Nutzfläche, die zukünftig vom großen Potenzial der Hydrothermie profitieren.

Ein oberhalb des Dorfes gelegenes, zentrales Heizhaus ist das Herzstück des dorfeigenen, 800 Meter langen Nahwärmenetzes. Von hier wird die Wärme über zwei Wärmepumpen mit je 78 kW Leistung an die insgesamt 29 Hausanschlüsse gespeist. Ein Gasbrennwertkessel sorgt als Backup dafür, dass bei Lastspitzen im Winter, wenn die Seetemperatur mal zu niedrig sein sollte, die Wärmeversorgung gewährleistet bleiben. Im Sommer liefert das Netz zudem freie Kühlung.

Wie effektiv ist Aquathermie im Vergleich zu anderen Techniken?

Die Lösung bietet Vorteile im Vergleich zu:

Luft-Wasser-Wärmepumpen

  • Sehr geringe Geräuschemission
  • Weniger sichtbar
  • 20 % weniger Strombedarf

Geothermie:

  • Geringere Investitionskosten
  • Höhere Ergiebigkeit am Standort
  • Keine Bohrrisiko
  • Geringerer Flächenbedarf
  • Wartungsfreundlicher

Tagebauseen als Chance für die Wärmewende

In Ländern wie der Niederlande wird Aquathermie seit längerem erfolgreich eingesetzt, aber auch in Deutschland steigt das Interesse an der Technologie stetig. Sein Einsatz hat – nicht nur am Hainer See – viele Vorteile gegenüber anderen Versorgungskonzepten: Gegenüber einer Lösung mit oberflächennaher Geothermie mit Bohrsonden stehen die vergleichsweise geringen Investitionskosten. Gegenüber einer klassischen Luft-Wärmepumpen-Lösung stehen die erheblich geringere Geräuschbelästigung und die bessere Energieeffizienz. Generell ermöglicht Aquathermie eine relativ hohe Leistungsdichte bei geringem Flächenbedarf. Das macht die Technologie auch für große Wärmeleistungen interessant.

Durch den Einsatz von Aquathermie werden Tagebauseen zur Chance für die Wärmewende. Mit einer Jugendherberge am Markkleeberger See ist bereits ein zweites Projekt in der Strukturwandelregion Mitteldeutschland in Planung. Weitere Projekte und eine strategische Marktentwicklung können insgesamt einen wichtigen wirtschaftlichen Impuls für die Region setzen.

Die Wärmeversorgungslösung „Hafendorf Hain“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadtwerke Leipzig und der Quartiersenergie GmbH. Die Tilia ist als Kooperationspartner der Stadtwerke Leipzig direkt an der Quartiersenergie GmbH beteiligt.

Das Hainer Aquathermie-Projekt in den Medien

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